Freitag, 27. Februar 2009

Bienvenido a Tierra Satan

Vorletztes Wochenende hatten Cori und ich genug vom Stadtleben und haben uns auf eine spirituelle Reise begeben: Tierra Santa (was soviel heißt wie Heiliges Land) war unser Ziel. Das ganze entpuppte sich als biederes Disneyland für Christen.
Zunächst waren wir fast entäuscht: keine Quietschbunten Jesus-Figuren zum mit-nach-Hause-nehmen. Keine Live-Kreuzigung (für mich persönlich das Traurigste). Keine Achterbahn, die einen von der Genesis in die Apokalypse fährt. Traurig, traurig. Aber schließlich sind wir hier ja nicht in den USA.
Dann doch ein Lichtblick: Auf einmal ohrenbetäubender Lärm aus den Lautsprechern, die unter den Blättern der Pappmaschépalmen hingen: Haaaalleluja, Halleluja - Halleeeeeeluja. Aus dem Plastikberg kommt eine riesige Jesusstatue herausgefahren. Der überdimensionale König der Juden aus Plastik dreht sich einmal nach links, einmal nach rechts und segnet damit das Land mit seinen ausgebreiteten Armen. Eine dicke Frau war so ergriffen, dass sie heulend in der Ecke saß...

Die Bilder sind übrigens gegen 19:00 abends entstanden. Es war so heiß, dass es fast nicht zum Aushalten war. Abkühlung versprachen nur eine der zahlreichen Shows, von denen wir uns letztendlich nur eine angesehen haben: la creacion de luz. Das war mit Abstand der größte Quatsch, den ich je gesehen habe. Nach einer Lasershow werden die ersten Passagen der Bibel vom Tonband abgespielt. Am Anfang war das Licht usw. Am ersten Tag etc...

Das ganze gipfelte dann natürlich in Adam, der aus dem Boden gefahren kam und Eva, die aus dem Gebüsch hervohüpfte. Ziemlich schräge Nummer das ganze. Im Hintergrund eine Herde Tiere. Auch aus Plastik versteht sich. Die hatten sogar kleine Bewegungsabläufe eingebaut: Elefant hebt Rüssel, senkt ihn wieder. Giraffe schaut nach oben, dann nach unten. Gorilla bewegt sogar die Augen und Nüstern. Nur anscheinend konnten die Tiere in der Bibel nicht selbst laufen und mussten auf Rollbrettern rumgeschoben werden.

Hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, diese Reise in das Heilige Land. Seltsam nur, dass der Park für die eigentliche Zielgruppe mit 20 Pesos viel zu teuer ist. Außerdem liegt er strategisch schlecht: zwischen Freibad, Flughafen und Golfplatz.
Achja: Lustig auch, dass eine der römischen Wachen Jesu einen KFC Schenkel in der Hand hatte. Hab überall nach dem Bucket oder dem Colonel gesucht, ihn aber nicht gefunden.
Jetzt ist Akku leer und die Leute hier im Cafe schon sauer. Bis bald!

Dienstag, 24. Februar 2009

Wieder zurück in BA

Heute mussten wir mal zur Abwechslung ins Internetcafe gehen, da unser Internet zu Hause ausgefallen ist. Ist grad nicht so praktisch. Drei Cafes haben wir eben schon besucht und immer (nachdem wir unseren Kaffee bestellt hatten) festgestellt, dass deren WiFi ausgefallen war. Also haben wir einen richtig schönen Koffein-Schub.


Dieses Wochenende waren wir in Punta del Este, Uruguay. Eigentlich ein Scheißort: nur neureiche Argentinier und Ballermann Atmosphäre. Die haben es wirklich binnen kürzester Zeit (ca. 10 Jahre) geschafft, eine wunderschöne Küste zu ruinieren. Aber das Meer war trotzdem toll. Haben bei Hubertus (einem Bekannten) gewohnt, der eine wirklich nette Finka hat.


Und einen richtigen Orkan haben wir auch mitgekriegt. Den ganzen Sonntag hat es geregnet und gestürmt, dass wir vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten waren. Wir beiden Helden/Naturburschen dachten uns: "lass uns doch einfach mal mit dem Auto rumfahren. Vielleicht ist das ja nur ein lokaler Wind." Dann mussten wir feststellen, dass jede Straße irgendwann einfach unbefahrbar wurde. Das Wasser stieg stellenweise bis zu einem halben Meter an.

Da ich die Bilder von der Kamera noch nicht übetragen habe, gibts hier noch ein paar BA Impressionen. Die Blume ganz oben öffnet und schließt sich tatsächlich. Wurde von einem bekannten Architekten (Name fällt mir gerade nicht ein) gebaut. Achja: hat jemand diesen Hund gesehen?

Sonntag, 15. Februar 2009

Friedhof = frittierter Hof?

Gestern haben wir unser erstes einigermaßen komplexeres Gespräch mit einem Argentinier geführt: mit unserem Taxifahrer auf dem Weg nach Tierra Santa (ein Vergnügungspark für Christen. Davon aber in einem späteren Post mehr Details.)


War eigentlich ganz gut, bis auf dass die unregelmäßigen Verben in den verschiedenen Zeiten nicht wirklich den Weg von meinem Hirn zum Mund finden. Aber das wird schon. Auf Andreas' Hinweis hin habe ich mir jetzt Spanish Language Coach für den DS besorgt. Habs noch nicht ausprobiert, aber kann eigentlich nur gut sein. Gerade Vokabeln muss ich im Moment verstärkt lernen. Ich hoffe, dass das in den nächsten Wochen besser wird.

Auf den Bildern hier ist der Friedhof in Recoleta zu sehen. Das ist auch der, auf dem Evita Peron begraben liegt. Das Grab haben wir zwar nicht direkt besucht (kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass das spo sehenswert ist), aber ist trotzdem ne schräge Sache, da über den Friedhof zu schlendern. Die Gräber sind entweder große mausoleum-ähnliche edificios oder große Blocks mit vielen Schubfächern. Was man fast immer sieht sind die Särge hinter Glas. Und da der Friedhof sich nicht wirklich in mint-condition befindet, kann man auch durch aufgebrochene Steinplatten in die Schubfächer blicken.

Leichen sieht man dabei zwar nicht, aber es fällt viel schwieriger, den Eindruck zu abstrahieren. In Deutschland haben Friedhöfe immer etwas beruhigendes für mich. Sieht man aber die Särge und manchmal sogar ein Foto des/der Verstorbenen, dann wird einem erst bewusst, dass hier wirklich tote liegen.
Auch witzig: Der Friedhof wimmelt nur von streunenden Katzen. Ob die wohl an den Kadavern naschen? Werden wahrschienlich von den Friedhofswärtern und Horden von Touristen gefüttert.

Auch da: hunderte von kleinen Fliegen. Ich musste immer wieder auf meine Brille und mein Objektiv pusten, um die kleinen Biester runterzubekommen und nicht immer schwarze Punkte im Sichtfeld zu haben.
Ein Tag später hatten wir dann ein Wiedersehen mit den Kleinen: zuerst waren wir in einem Sushi Laden am Hafen. Unsere Gläser waren in Kürzester Zeit befallen von den Viechern. Danach sind wir in ein Schwimmbad auf dem Dach eines Hotels in der Nähe. Ich voll ausgestattet mit Schwimmbrille und Nasenkneifer.

Schwimme also meine Runden. Wohlgemerkt ohne Nasenkneifer, weil das mir in dem Moment doch fast ein bisschen peinlich war. Hätte ich mich doch lieber als Weichei geoutet. Hatte nämlich ohne Brille nicht bemerkt, dass der ganze Pool eine zähflüssige Masse war: Überall tote kleine Fliegenleichen, die beim am Körper kleben geblieben sind. Will nicht wissen, wie viele ich beim Schwimmen verschluckt oder durch die Nase eingeatmet habe.

Auch auf den Liegen wurde man die Biester nicht los. Überall juckte es. Die müssen gewusst haben, wie gerne ich Insekten mag.
War trotzdem eine Genugtuung, dass selbst Cori ein bisschen angewidert war. Also doch kein soooo großes Weichei :P
Die Pyramide links gehört übrigens auch zu den eher ausgefallenen Gräbern in Recoleta. Wie war das nochmal: Wenn man alle Pyramiden in London auf einer Karte verbinden würde, bildet das ein Pentagramm. Oder waren das Obelisken? Kann mich da gerade nicht so genau erinnern. Ist auch egal, die Illuminaten sind sowieso überall.
Ich geh mal wieder Vokabeln lernen. Als Abschluss noch Coris Lieblingsfoto: "Ich weine Spinnweben."
Bis bald
-JJ





Dienstag, 10. Februar 2009

BA, wieder mal Regen, aber die Frisur sitzt...


...oder auch nicht. Von der Luftfeuchtigkeit hat man richtig einen Afro aufsitzen. Der heutige Regen arbeitet da ganz gut dagegen. Wie zwei nasse Pudel sehen wir aus. Und riechen auch ein bisschen so. Standen auch schon vergebens vor der verschlossenen Tür des Malba Museums.

Naja, Zeit um wieder ein paar Bilder online zu stellen. Und auch um die neuen Vokabeln und Grammatik zu lernen. Echt heavy die Sprache. Leider verstehen wir im Alltag immer noch sehr wenig. Aber was will man nach 1, 5 Wochen Sprachkurs auch verlangen.Wir sind in getrennten Gruppen, da Julian bei den Fortgeschrittenen ist und ich bei den blutigen Anfängern sitze.


Letztens standen wir ganz fasziniert im Supermarkt. Zum einen, dass sogar hier Jesus einen Sonderposten bekommt, um gehuldigt zu werden. Und zum anderern über das "no hay monetas"Schild, was soviel bedeutet: "es gibt hier keine Münzen".



Meine Lehrerin hat mir daraufhin erklärt,dass in B.A. akkuter Münzmangel herrscht. Es wurden vor kurzem ca. 3 Mio. Pesos in Münzen aus einer Bank geklaut und nun weiß die Regierung immer noch nicht,was sie machen soll (nachprägen oder nicht). Man wird also gebeten, passend zu zahlen oder es wird auf- abgerundet. Ok...Was natürlich teilweise ausgenutzt wird...
PS: Hier bisher das einzige Bild auf dem ich auch zu sehen bin (JJ)

Sonntag, 8. Februar 2009

Zwei Wochen und erst ein Lebenszeichen?!......Pfffff


So, jetzt gibts erstmalig ein kleines Lebenszeichen von Cori und mir. BA ist wirklich wahnsinn! Wir wohnen total romantisch über einer kleinen Bibliothek/Buchladen, die/der den Januar über geschlossen hat. Anscheinend wird in den Sommermonaten (=unsere Wintermonate, für alle die sich das Nord-Süd-Hemisphären-Prinzip noch nicht vergegenwertigt haben) Buenos Aires von allen seinen Einwohnern verlassen. Die ganzen Argentinier - zumindest die, die es sich leisten können - strömen an die hiesigen Strände und warten, bis die Hitze vorbei ist. Und tatsächlich, viel ist nicht los hier auf den Straßen.

Während ich gerade diese Zeilen schreibe sitze ich, erfrischt durch einen kleinen Ventilator, in unserem kleinen Zimmerchen und blicke auf einen wunderschönen, mit Pflanzen überwucherten Innenhof. Unsere kleine Wohnung ist im Bario Norte. Zwar nicht die angesagteste Gegend, aber noch weit genug im Zentrum, so dass es nicht mühsam wird. Und Taxis sind hier sowieso sowas von günstig, dass man die öffentlichen Verkehrsmittel fast gar nicht nutzen muss. Eine etwa 15 minütige Fahrt von hier nach Palermo Viejo (das Kreuzberg//Hackney/Glockenbach von BA) kostet etwa vier Euro.
Oben links sieht man unseren Blick aus dem Fenster btw.

Und der rote Kringel auf dem folgenden Foto zeigt unser Fenster von außen bzw. das Hexenhäuschen von außen:



Und wieder einmal haben wir eine Katze. In Spanien und New York hatten wir immer eine Katze. Hier Cori vor unserer Haustür mit Simón: